Das Erleben unserer Menschlichkeit durch die Bewusstseinsseele

 
Bild 1. Der Mensch im Tierkreis, das Gebetbuch des 15. Jahrhunderts

 

Der Uns Alle Verbindende Vers

 

Glaube, Liebe, Hoffnung
Führen mich in meinem Willen
Wenn ich im Herzen ein Licht entzünde
Und mich verbinde mit der immer gegenwärtigen Liebe
Und schöpferischen Kraft des Allmächtigen.
Sie wirkt in mir,
Wenn ich die Menschen liebend aufnehme,
Die heute zu mir kommen in
Glaube, Liebe, Hoffnung.

 

Diese Worte mögen uns führen auf dem Weg,
Einen Lichtkreis zu bilden, der die Welt umschließt.
Sie sollen uns vereinen und die Einsamkeit verbannen.
Sie werden unsere Gedanken öffnen der Imagination,
Unsere Inspiration stärken
Und uns mit Intuition segnen.

Das Erleben unserer Menschlichkeit durch die Bewusstseinsseele

by Monica Gold

Die Gedanken, die uns hier beschäftigen werden, sollen die erste Zeile unseres Verses mit dem wir versuchen, die Welt zu umspannen, Glaube, Liebe, Hoffnung, mit den letzten drei Zeilen, Imagination, Inspiration und Intuition, verbinden.

Weiter werden wir Denken, Fühlen und Wollen in ihrer Verwandlung in das Geistselbst, den Lebensgeist und den Geistesmenschen im Lichte der Vorlesungen Rudolf Steiners untersuchen. Der Mensch muss durch die Bewusstseinsseele gehen, wenn er in seiner Art die Kräfte des Geistselbst, des Lebensgeistes, des Geistesmenschen aufnehmen will. Dazu muss er die Kräfte des Todes im Laufe des fünften nachatlantischen Zeitraums, also bis in die Mitte des vierten Jahrtausends hinein, vollständig mit seinem eigenen Wesen verbinden. Das kann er.1 Die Menschen werden sich, wie wir sehen werden, im sozialen Umgang miteinander noch sehr ändern.

Wenn wir uns in das 14te Jahrhundert vor Christus versenken, finden wir, dass zu dieser Zeit die Menschen sich noch wie die Kinder in einer großen Familie Gottes getragen, geliebt und geschützt fühlten. Noch ganz verträumt lebten sie in der Natur, eingebettet in die geistige Welt. Viele von den damaligen Menschen erlebten, vielleicht sogar sahen und hörten, auch geistige Wesenheiten, und zwar nicht nur Engel sondern auch Elementarwesen.

Wir wissen, dass Moses die zehn Gebote auf dem Berg Sinai von dem Gott der Hebräer, Jehovah, erhielt. Wir hören auch, dass diese göttliche Tat von Blitzen, Donner, Feuer und Erdbeben begleitet war. Die zehn Gebote waren ein wichtiger Schritt in der Menschheitsentwicklung.

Als Gotteskinder hatten sich die Menschen in der Sinneswelt so weit entwickelt, dass es für sie notwendig wurde, zu lernen, Geboten zu gehorchen: Du sollst nicht töten, Du sollst nicht stehlen, Du sollst kein falsches Zeugnis ablegen, usw. Warum war es notwendig geworden, den Menschen Gesetze oder Gebote zu geben?

Das Thema für diesen Artikel ist Das Erleben unserer Menschlichkeit durch die Bewusstseinsseele. Man kann auch sagen, dass wir durch dieses heute aktuelle Thema dahin geführt werden, uns über die Gegenkräfte oder das Böse, das, nach Rudolf Steiner, an der Menschheitsevolution beteiligt ist, bewusst werden. Das scheint besonders wichtig zu sein in unserer gegenwärtigen Zeit.

Während der Zeit in Lemurien, noch ganz früh in der Menschheitsentwicklung, wurden die Menschen Luzifers Verführungen in ihrem Astralleib ausgesetzt. Die biblische Geschichte von Adam und Eva ist wohl jedem geläufig. Wir wissen aus der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners, dass der Mensch ein Kind geblieben wäre, in den Händen höherer geistiger Wesenheiten, wenn das nicht stattgefunden hätte. Durch Luzifers Verführungen wurde ein Teil der geistigen Welt unsichtbar für den Menschen durch Verstärkungen seiner Instinkte, Passionen und egoistischen Wünsche. Diese stiegen im menschlichen Astralleib auf wie eine dunkle Wolke. Auf diese Weise wurde der Blick auf die geistigen Wesenheiten, die sonst auf ewig sichtbar geblieben wären, verdunkelt.

Rudolf Steiner weist darauf hin, dass der Mensch durch Luzifer allmählich frei wurde von der Führung durch höhere geistige Wesenheiten. Dadurch geschah es, dass viele Menschen eine immer stärker werdende Selbstsucht und völlige Geringschätzung von anderen entwickelten. Als die Menschen erwachten und reif wurden, in sich Recht und Unrecht zu unterscheiden, konnten sie die geistige Welt hinter der physisch-sinnlichen Welt nicht mehr erleben.

Die Menschen wurden immer unabhängiger von der geistigen Welt, und doch hatten sie noch ein großes Vertrauen und Respekt, wohl auch Furcht, vor ihrem Gott Jehovah. Durch lange Zeiten hindurch entwickelte sich an Stelle des verschwindenden Hellsehens ein starker Glaube in den Seelen der Menschen. Und dieser Glaube lebt im Menschen als ein Geschenk des Höchsten. Wenn wir die Kräfte des Glaubens verlieren würden, könnten wir unseren Weg im Leben nicht mehr finden.

Es hängt gar nicht vom Menschen ab, den Glauben abzulegen oder nicht, denn der Glaube stellt in der Menschenseele eine Anzahl von Kräften dar, eine Summe von Kräften, die zu den Lebenskräften der Seele gehören. Es kommt gar nicht darauf an, ob wir glauben wollen oder nicht, sondern darauf, dass wir die Kräfte, die das Wort „Glaube“ ausdrückt, als Lebenskräfte der Seele haben müssen, dass die Seele verdorrt, verödet und vereinsamt, wenn sie nichts glauben kann.2

Von Rudolf Steiner wissen wir auch, dass ihm von Luzifer gegeben worden ist, was in menschlich entwickelter Kunst als Wahrheit lebt, und dadurch den Menschen zum Geist der höheren Welten erheben kann. Die Kunst verdanken wir Luzifer.

Wenn wir jetzt zu unserem Vers zurückkommen, sehen wir, dass eine Verbindung besteht, zwischen Glauben und Imagination. Was ist die Imagination? Es ist die Möglichkeit der Seele, sich in die höheren Welten zu erheben und Wahrheiten zu erleben, wenn sie sich mit Kunstwerken beschäftigt. Dieses Geschenk können wir empfangen, wenn wir höhere Welten in unser Bewusstsein mit einschließen.

Jahrhundertelang haben Menschen Kunstwerke geschaffen, ohne darüber zu sprechen. Heute kann eine bewusste Seele die Vergangenheit mit erweckten inneren Augen sehen.– Jesus lehrte seine Schüler durch Gleichnisse. Er sprach die Bildsprache der Imagination, und wir dürfen diese Bilder bewusst mit unseren Gedanken erleben. Durch Kunstwerke und durch Märchen können wir den Glauben in uns immer wieder neu beleben. Read more